2012 01 16 GT Jossgründer mit dem Zusammenhalt in den Orten zufrieden

Studenten der Uni Kassel präsentieren der Ideenschmiede Ergebnisse ihrer Befragung - Mehr Geldautomaten stehen an erster Stelle der Wünsche

(bis). „Der demografische Wandel ist noch zu wenig in die Köpfe der Bürger vorgedrungen“, sagte Carsten Kauck, der als Abgeordneter und ehrenamtlicher Demografiebeauftragter des Kreises die Bürger für das Thema sensibilisieren will. „Es ist gut, Netzwerke zu bilden zu einem kreisweiten Austausch“, so Kauck. Die Gemeinde Jossgrund liefere bereits ein Input, von dem andere profitieren könnten, da sie einige Schritte voran sei.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer zur dritten Sitzung der Ideenschmiede durch Bürgermeister Rainer Schreiber und Moderatorin Sabine Jennert vom Verband „Spessart regional“ präsentierten vier der fünf Studenten der Fachrichtungen Stadtentwicklung und Landschaftsplanung der Universität Kassel im Rathaus in Oberndorf ihr Dorfentwicklungskonzept, das sie anhand der Analyse von Fragebögen erarbeitet haben. 36 Prozent der Bevölkerung hatten sich an der Umfrage beteiligt. 70 Prozent stammen ursprünglich aus dem Jossgrund, ein Indiz für sehr viel Heimatverbundenheit, wie die Studenten betonten. Bemerkenswert sei, dass die Mehrheit der Befragten mit dem Zusammenhalt in ihrem Ortsteil sehr zufrieden ist. Zehn Prozent hielten das Verhältnis zu Lettgenbrunn für verbesserungswürdig. 94 Prozent wollen mit den anderen Ortsteilen kooperieren.

Zur Fortbewegung zwischen den Ortsteilen nutzen 94 Prozent den Pkw. Bei denen, die den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen, handelt es sich vorwiegend um Schüler. Das liege wohl daran, dass der ÖPNV nicht gut ausgebildet sei, vermuten die Studenten. Bei den fehlenden Angeboten im Wohnort steht der Geldautomat an oberster Stelle, gefolgt vom Supermarkt oder Discounter, Fachärzten und Poststelle. Bei der Frage, was den Bürgern gefällt, gab es vieles, womit der Jossgrund wuchern kann. Auf die Frage, was fehlt, wurden unter anderem Familien mit Kindern, Infrastruktur, Weiterbildungsmöglichkeiten und Angebote für Jugend und Senioren genannt. Manche hatten angegeben, es fehle an nichts, und das, was man möchte, könne man in 20 Minuten erreichen.

Eine Stärke ist neben landschaftlichem Reiz unter anderem eine niedrige Arbeitslosenquote vor allem bei Jugendlichen sowie die Jossatal-Schule mit gutem Niveau. Kürzlich habe ihm das Berufliche Gymnasium mitgeteilt, dass sich Schüler aus dem Jossgrund seit Jahren mit ihren Leistungen im obersten Drittel befänden, sagte der Rathauschef.

In den Jahren 2004 bis 2009 gab es konstante Einschulungszahlen mit 20 bis 24 Kindern. Danach wurde ein leichter Rückgang verzeichnet. Als Lösungsansätze wurde unter anderem die Einbindung der Schüler aus Lettgenbrunn vorgeschlagen, was darüber hinaus eine bessere Kooperation mit der Bevölkerung Lettgenbrunns zur Folge hätte.

Gefragt wurden die Bewohner auch nach ihren Zukunftswünschen. Antworten waren unter anderem eine bessere Nachmittagsbetreuung der Kinder, ein Jugendraum mit Indoor-Sportmöglichkeiten und der Ausbau der Wander- und Radwege. Eine Ferienbetreuung sei grundsätzlich möglich, wie Elke Eichler von der Arbeitsgruppe „Kinder, Jugend und Familie“ berichtete. Als Ergänzung der Betreuung hatte die Gruppe im Jossgründer Blättche auf den Beruf Tagesmutter aufmerksam gemacht.

Die „gut’ Stubb’“, ein Pilotprojekt für den Ortsteil Oberndorf, wurde von Dr. Monika Fingerhut von der Arbeitsgruppe „Senioren“ präsentiert. Es betrifft künftig die immerhin größte Bevölkerungsgruppe der heute 45- bis 50-Jährigen. Dabei gehe es nicht nur um medizinisch pflegerische Aspekte. „In Zukunft haben wir Senioren mit ganz anderer Kulturerfahrung und Bildung als die Nachkriegsgeneration. Die gilt es in den Fokus zu nehmen“, betonte Fingerhut. Erste Renovierungsmaßnahmen eines ungenutzten Raumes im Erdgeschoss der alten Fabrik wurden bereits kostengünstig durch ortsansässige Firmen getätigt.

Die Ermittlung von Entscheidungsgründen für Zu- beziehungsweise Wegzug sowie das Finden von Investoren hat sich Helmut Ruppel von der Arbeitsgruppe „Gebäudeleerstand“ vorgenommen.

Dieter Walter von der Arbeitsgruppe „Mobilität“ informierte über das im November stattgefundene Treffen mit Fachleuten zur Verbesserung der Buslinien Jossgrund - Bad Orb - Wächtersbach.

„Die Ergebnisse sind beachtlich“, lobte Sabine Jennert, die über das Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge MORO informierte. Kooperationspartner sind unter anderem das Ärztenetz Spessart, der Kreisbauernverband, die Kreisverkehrsgesellschaft sowie die Uni Kassel. Den großen Geldrucksack habe sie zwar nie dabei, so Jennert, aber man dürfe immerhin Horizonte vor Augen haben, was Fördermöglichkeiten betreffe.

Bis zum 1. April müssten allerdings alle bewilligungsreifen Projekte gemeldet sein, je konkreter, desto besser. „Wichtig ist, dass eine gemeinsame Identität da ist“, so Jennert, auch wenn das Ortsteildenken durch die historischen Gräben noch so stark ist“.

Karl Damian wies auf die E-Mail-Adresse Ideenschmiede [at] jossgrund.de hin. Anregungen werden dort entgegengenommen und auch beanwortet.

Artikel aus dem Gelnhäuser Tageblatt vom 16.1.2012 (Artikel und Bild von Birgit Sinsel)

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