2012 08 25 GT S. 34 „Jossgrund für Familien attraktiv gestalten"

Elke Eichler, Team Jugend

AG „Familien-Kinder-Jugend" der „Ideenschmiede" sieht Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtiges Kriterium an

JOSSGRUND (bis). „Unsere Gruppe wurde gegründet mit dem Hintergrund, dass junge Leute die Zukunft sind. Wir wollen den Jossgrund auch für Familien so attraktiv gestalten, damit sie hier bleiben." Mit diesen Worten umschreibt Elke Eichler, die Sprecherin der Arbeitsgruppe „Familien-Kinder-Jugend" in der Jossgrunder Ideenschmiede, die Zielsetzung der Mitglieder. Das GT stellt die Arbeitsgruppe vor.

Zunächst habe man eine Bedarfsanalyse durchgeführt, um festzustellen, was Familien heute brauchten, welche Angebote bereits vorhanden seien und wo noch Handlungsbedarf bestehe. Vorhanden seien eine gute Grundschule mit Hausaufgabenbetreuung, ausreichend öffentliche Spielplätze und Kinderturnen. Pluspunkte gab es darüber hinaus für die gute Wohnqualität, ärztliche wie zahnärztliche Versorgung, den ärztlichen Notdienst sowie sportliche und kulturelle Angebote.

Den Schwerpunkt der jetzigen Arbeit bilde der Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten. „Was Familien in erster Linie brauchen, ist eine gut funktionierende Kinderbetreuung", so die 54-Jährige. Die scheine zwar auf den ersten Blick ausreichend, denn in jedem Ortsteil gebe es einen Kindergarten, in Oberndorf auch mit Ganztagsbetreuung. Für viele seien auch die Öffnungszeiten akzeptabel, es gebe aber auch Familien, die sich ein flexibleres Angebot wünschten. „Dieser Zustand wird sich in Zukunft noch verstärken", prophezeit Elke Eichler.

„Unsere Arbeitsgruppe hat dann bei der Gemeindevertretung angefragt, wie im Jossgrund das Konzept für die gesetzlich vorgeschriebene U3-Betreuung geregelt ist und den Bürgermeister gebeten, mit den Kindergartenleiterinnen ein Betreuungskonzept zu erstellen." Nach mehreren Gesprächen wurde geklärt, in welchen Kindergärten welche Betreuung zu welchen Bedingungen organisierbar sei.

Darüber hinaus wurde mit der pädagogischen Fachberatung des Main-Kinzig- Kreises Kontakt aufgenommen. Anfang September ist mit dem Haupt-, Bau- und Finanzausschuss ein Gespräch über die finanziellen Konzepte geplant. „Wir hoffen, im Herbst ein geeignetes Konzept vorstellen zu können", sagt die examinierte Erzieherin.

Während der Ferien seien die Kindergärten geöffnet, aber ein Betreuungsangebot für Schulkinder bestehe nicht. Es gebe zwar ein Angebot über die Ferienspiele, das gelte jedoch nur an bestimmten Tagen für ein paar Stunden. „Wir haben dann den Förderverein „Jossatal Kids“ kontaktiert und gefragt, ob er bereit wäre, Ferienbetreuung anzubieten." Grundsätzlich sei dies zwar machbar, für das Angebot bestehe aber im Augenblick noch zu wenig Interesse. „Wer sein Kind neben dem Kindergarten in andere öffentliche Betreuung gab, riskierte früher einen schlechten Ruf. In den meisten Fällen werden bei Bedarf die Großeltern oder andere Verwandte eingespannt. Im Jossgrund gibt es zwar noch die familiären Strukturen, aber in Zukunft wird das nicht so bleiben", prognostiziert die Mutter zweier erwachsener Töchter.

Als weitere Betreuungsoption hat die Arbeitsgruppe die Initiative bei der Betreuung durch Tagesmütter ergriffen. „Das soll und darf aber kein Ersatz für die Betreuung in den Kitas sein. Es soll nur als Ergänzung die Zeit abdecken, in der keine andere Betreuung möglich ist", betont Elke Eichler. Drei Frauen haben bereits ihr Interesse bekundet. Die Initiative werde vom Jugendamt unterstützt. Für die Tagesmütter gebe es ein entsprechendes Ausbildungsangebot und bestimmte Auflagen, die das Amt kontrolliere. „Heute ist es wichtiger denn je, dass eine Mutter wieder in den Beruf zurückkehrt. Es tut einem manchmal leid, wenn man sieht, dass junge Frauen eine super Ausbildung haben und dann zwangsläufig zu Hause bleiben müssen." Dabei gehe es den meisten gar nicht so sehr um die Selbstverwirklichung, sondern bei der gestiegenen finanziellen Belastung für Familien sei es oft notwendig, dass beide Elternteile berufstätig seien. „Das klassische Familienbild löst sich auf und die Firmen öffnen sich", so Elke Eichler. Deshalb müsse es möglich sein, Mutterschaft und Beruf unter einen Hut zu bringen - ohne schlechtes Gewissen.

„Als weiteres Thema interessierte uns, wie es der Jugend im Jossgrund geht", so Eichler. Die Arbeitsgruppe habe Kontakt mit der Leitung der Jossatal-Schule aufgenommen und über die „Ideenschmiede" berichtet. „Wir haben angefragt, ob die Schule im Rahmen einer Projektwoche das Thema „Demografischer Wandel“ aufgreifen will, um herauszufinden, was die Kinder heute bewegt, was sie interessiert und wo sie bereit sind, sich einzubringen." Zwar sei die Jugendförderung durch die Vereinskultur hervorragend, so Elke Eichler. „Aber was ist mit Jugendlichen, die nicht Fußball und Tennis spielen oder tanzen wollen?" Ihr fehle eine Begegnungsstätte außerhalb der Vereine, wo Jugendliche einfach mal abhängen und über Themen reden könnten, die sie nicht mit den Lehrern oder Eltern besprechen möchten.

Gesammelt wurden zwar noch viele kreative Ideen wie Zielgruppenorientierung (Studienabgänger mit Familie), Kinder-Logo der Gemeinde, Familienrabatte für Bauland, Jobbörse oder Mentoren-Konzept, diese konnten aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht realisiert werden.

Die Sprecher der Arbeitsgruppen treffen sich regelmäßig, um ihre Ideen weiterzuentwickeln. Zudem bestünden Kontakte mit der „Ideenschmiede" Mernes und der „Zukunftswerkstatt" Flörsbachtal.

In einer kleinen Serie stellt das Tageblatt die Arbeit der einzelnen Gruppen der Jossgrunder „Ideenschmiede" vor. In den kommenden Wochen beschreiben nun nach die Gruppen „Senioren" und „Gebäudeleerstand" ihre Arbeit.

Artikel aus dem Gelnhäuser Tageblatt vom 25. August 2012, Seite 34 (Bild und Text von Autorin Birgit Sinsel)

Gemeindevertretervorsitzender Lothar Röder appellierte an die Vertreter der Schule, sich mit einem Konzept für die nächsten 10 bis 15 Jahre gegen eine drohende Schließung zu stemmen. Ein solches Konzept, wie etwa die Einführung der Ganztagsschule, könnte die Gemeindevertretung dann auf politischer Ebene unterstützen.

Beim Beschluss wandte sich das Gemeindeparlament wieder dem eigentlichen Thema zu. Es erging der Auftrag an den Gemeindevorstand, ein Profil auszuarbeiten, aus dem hervorgeht, was genau die Stelle beinhalten soll.

Quelle: Artikel aus der Gelnhäuser Neuen Zeitung vom 29.8.2012 (Autor: in)

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