2012 09 08 GT Die „gute Stub" als Treffpunkt mit Nostalgie-Effekt

Arbeitsgruppe „Senioren" der Jossgrunder „Ideenschmiede" arbeitet an Konzepten eines kulturellen Angebots für die ältere Generation - Neues Projekt

JOSSGRUND (bis). Die „gute Stub" war früher ein schön eingerichtetes Zimmer. Es wurde oft verschlossen und nur zu besonderen Anlässen genutzt. Schön, gemütlich und fast komplett ist auch die „Gute Stub" in Oberndorf inzwischen eingerichtet. Sie soll bei Bedarf geöffnet sein, nicht nur an besonderen Tagen.

„Auf die Ausgestaltung der Räumlich­keit haben wir den Hauptfokus gelegt", sagt Dr. Monika Fingerhut, Ansprechpartnerin für das Team „Senioren", das sich im Rahmen der „Ideenschmiede" bildete. In zahllosen Stunden wurde unter „Bauleitung" der Gruppensprecherin in einem ungenutzten Raum im barrierefrei zu erreichenden Erdgeschoss der alten Fabrik ein behagliches Ambiente geschaffen. Mit der „guten Stub" will man einen Treffpunkt bieten für aktive Senioren.

„Mit dem demografischen Wandel sind nicht nur medizinisch-pflegerische Veränderungen gefragt", erläutert Monika Fingerhut. „Vielmehr wird es in Zukunft eine immer größer werdende Gruppe alter Menschen geben, die andere Bildungs- und Kulturerfahrungen haben als noch die Kriegsgeneration." Diese kulturelle Arbeit mit Senioren gelte es, in den Fokus zu nehmen und auch im dörflichen Bereich entsprechende Angebote bereitzuhalten. „Kulturelle Aktivitäten und Bildung sind für Ältere ein wichtiger Schlüssel zu sozialer Teilhabe, Lebensqualität und Zufriedenheit. Auch im Alter sind körperliche und geistige Aktivitäten wichtig, denn sie tragen zu einem gesundheitsbewussten und kompetenten Älterwerden bei und wirken präventiv gegen Demenz", führt Fingerhut aus. Als mögliche Angebote werden Gedächtnistraining, Gymnastik, Sitztanz, Erzählkreise, Erinnerungstheater, Liederabende oder generationsübergreifende Projekte mit Schulen und Kindergärten ins Auge gefasst.

„Für einen Teil der Aktivitäten stehen auch schon qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung", so Monika Fingerhut, die seit 2005 eng mit der Heimleitung im Altenzentrum Rodenbach zusammenarbeitet und dort das Erinnerungstheater zu einem beliebten Projekt gemacht hat. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Bundesarbeitskreis Seniorentheater und Fachbuchautorin im Bereich „Beschäftigungstherapien für Senioren".

Die älteren Bürger haben aber auch die Gelegenheit, sich regelmäßig zu treffen, um Dinge zu tun, die sie selbst organisieren können wie gemeinsam basteln, singen, vorlesen und Geschichten erzählen.

Die „gute Stub" wirkt hell und freundlich. Eingebaut wurde eine neue Küchenzeile, ansonsten ist sie bestückt mit alten Sesseln, Kommoden, Eckbank, Tisch und Stühlen. Die Einrichtungsgegenstände stammen überwiegend aus den 60er Jahren und schaffen für die derzeitige Zielgruppe eine gewisse Erinnerungsatmosphäre. „Sie sollen aber auch nicht älter sein, denn der Raum ist schließlich nicht als Museum gedacht", so die 49-Jährige.

„Es war klar, dass vieles erneuert werden musste", so Fingerhut. Der Fußboden wurde neu ausgelegt. Die Wandsanierung und Elektrik wurden von heimischen Handwerksbetrieben und ehrenamtlich von den Teammitgliedern bewältigt. Nach den ersten Renovierungsarbeiten startete das Team einen Aufruf um Mobiliar. „Es war sehr überraschend, dass einiges zusammengekommen ist", so Fingerhut.

Die „gute Stub" sei eine offene Begeg­nungsstätte nicht nur für Oberndorf, sondern für Seniorengruppen mit begrenzter Teilnehmerzahl aus dem gesamten Jossgrund. „Eine Gruppengröße von etwa 15 Personen wäre ideal für bestimmte Projek­te, für die der große Bürgersaal im Rathaus nicht geeignet ist", erläutert die Oberndorferin und betont, dass der Seniorentreff keine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten, sondern lediglich ein Zusatzangebot darstellen solle. „Die Seniorennachmittage der kFD finden auch weiterhin statt", versichert die 49-Jährige.

Mit der Arbeitsgruppe „Senioren" soll es auch im nächsten Jahr weitergehen. Dann bildet das Projekt „Nachbarschaftshilfe" nach dem Beispiel des Vereins Bürgerhilfe Rodgau, der die Gruppe bereits einen Besuch abgestattet hat, den Schwerpunkt der Arbeit.

Arbeitsgruppen-Mitglieder

Die Mitglieder der Arbeitsgruppen der „Ideenschmiede":

Mobilität - Dieter Walter, Hilmar Mackenroth, Karl Damian, Norbert Gehre, Paul Mongel, Faxe Müller, Matthias Elsässer.

Familien/Kinder/Jugend - Elke Eichler, Günter Traue, Jenny Steets, Winfried Imkeller, Lothar Röder, Jana Desch.

Wohnen/Leerstand - Helmut Ruppel, Franz Bacher, Walter Robatscher, Rein­hold Walz, Nicole Vosniak, Rainer Schreiber, Matthias Elsässer.

Senioren - Dr. Monika Fingerhut, Herbert Bien, Josef Schreiber, Lydia Röder, Walter Robatscher, Winfried Imkeller.

Artikel aus dem Gelnhäuser Tageblatt vom 8. September 2012 (Bilder und Text von Birgit Sinsel)

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