2013_06_21 Erste Jossgründer Vereinskonferenz mit großer Resonanz

Rechtsexperte Malte Jörg Uffeln referierte über Urheberrechte und GEMA-Pflicht – Konzeptionspapier zum Thema Mitglieder - Werbung und Mitgliedermotivation in den Vereinen wurde vorgestellt

Als äußerst informativ und wichtig werteten die über 40 Teilnehmer die erste Jossgründer Vereinskonferenz. Sie war ein Ergebnis aus dem im vergangenen Jahr angebotenen Vereinsworkshop „Vereine fit für die Zukunft“, der von der Ideenschmiede initiiert wurde. Äußerst erfreut über die rege Beteiligung konnte Bürgermeister Rainer Schreiber den Gastdozenten des Abends begrüßen, Rechtsanwalt Malte Jörg Uffeln aus Gründau. Detaillierte und neueste Informationen zu den Themen Urheberrecht und GEMA wurden ausführlich erläutert. Mit der besagten Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, gemeinhin auch als GEMA bekannt, haben viele Vereine, ehrenamtlich Agierende wie auch Privatpersonen bereits so ihre Bekanntschaft gemacht. Ist ein Konzert in der Kirche GEMA-pflichtig? Wie verfährt man bei internen Tanzproben? Welche „beschallte Fläche“ muss bei einer Kirchweih oder einem Straßenfest gemeldet werden? Fragen, mit denen sich die Teilnehmer der ersten Jossgründer Vereinskonferenz beschäftigen, wurden hier eingehend erläutert.

Der Rechtsexperte nahm während seines 90-minütigen Vortrages zunächst das Urheberrecht an Bildern, Texten und Musikstücken in den Blick. Kurzweilig, verständlich und kenntnisreich plauderte Uffeln aus dem Nähkästchen. Gerade im Zeitalter von Internet und Social Media ist die Reproduktion geistigen Eigentums äußerst einfach und schnell umgesetzt. Vorsicht sei vor allem bei Anfahrtsbeschreibungen mit Straßenplanausschnitten oder bei Piktogrammen geboten. Hier empfahl der Referent die Rückfrage bzw. Lizenzierung bei den entsprechenden Verlagen oder Urhebern. Sonst könnten auf den Verein immense Schadensersatzforderungen zukommen. Ausnahmslos vergütungspflichtig ist Musik auf der Vereinshomepage. Kein Urheberrechtschutz besteht mehr, wenn der Urheber schon seit 70 Jahren tot ist. Doch muss dies nicht immer so sein, denn das Urheberrecht ist auch vererblich. Ob ein Werk nun gemeinfrei ist, lässt sich über eine detaillierte Internetrecherche feststellen. Die thematische Abgrenzung von Öffentlichkeit und Nichtöffentlichkeit sei zudem immer wieder ein Streitpunkt, und sollte in der Vereinspraxis jeweils individuell beantwortet werden. Das Führen von Anwesenheitslisten und ein Hinweisschild mit dem Vermerk auf eine geschlossene Gesellschaft helfen, nicht-öffentliche, vereinsinterne, eben GEMA-freie Veranstaltungen nachzuweisen. Grundsätzlich riet der Jurist sich rechtzeitig vor der Veranstaltung über die Konditionen genau zu informieren und gegebenenfalls mit der GEMA zu kooperieren. Auch sei in den Rahmenverträgen der einzelnen Dachverbände (z.B. Sport, Musik, Gesang, Theater) bereits vieles abgedeckt. Klar festzuhalten gilt indes, wer urheberrechtlich geschütztes Liedgut verwendet, muss die GEMA berücksichtigen. „Das ist selbst bei Bestattungen der Fall“, verwies Uffeln auf ein recht bizarres Beispiel, welches bei den Teilnehmern nur verständnisloses Kopfschütteln hervorrief.

Nach all den detaillierten Informationen, den vielen nützlichen Tipps aus der Praxis und hilfreichen Literaturhinweisen stellte sich am Ende des Vortrags dann bei den Vereinsvertretern die berechtigte Frage, wie man unter Berücksichtigung all dieser Faktoren künftig noch Mitstreiter für die Vorstandsarbeit gewinnen wolle. Hierfür hatten Irene Kessler-Stenger und Paul Mongel nun ein Konzeptpapier zum Thema Mitgliedergewinnung und -motivation ausgearbeitet. Claudia Koch von der ProRegio AG für Projektplanung und Regionalentwicklung moderierte den zweiten Themenblock des Abends. Eine Neubürger-Mappe, die derzeit in Arbeit ist und die Vereine entsprechend präsentiert, eine Vereinsmesse, ein Leitfaden für die Jossgründer Vereine , in dem vor allem auch Rechtsfragen Berücksichtigung finden, waren Ideen und Vorschläge zur Mitgliedergewinnung. Mitglieder- als auch Vorstandsbefragungen hingegen könnten wichtige Informationen zum Themenbereich Mitgliedermotivation liefern. Was das Publizieren und die Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit betrifft, wurden regelmäßige Kurzberichte oder Interviews sowie öffentliche Ehrungen durch die Gemeinde präferiert. Über einzelne Ideen der Arbeitsgruppe will die Vereinskonferenz in einer nächsten Zusammenkunft am 23. September, ab 19.30 Uhr beraten.

Text und Fotos von Monika Fingerhut

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