2014_10_17 Historischen Fotowanderweg Lettgenbrunn wird nun abgebaut

Abschlussveranstaltung am 15. November 2014

Mit einem neuen Konzept hatten Lettgenbrunn und Villbach ihre Geschichte in Form eines Fotowanderweges über Monate präsentiert. Unzählige Gruppen und Führungen pilgerten seit April 2013 über die rund 3,6 km lange Strecke und schauten sich die historischen Bilder aus der Perspektive der jeweiligen Fotografen an. Eigentlich sollte mit Ende des Jubiläumsjahrs auch der Weg im Dezember 2013 abgebaut werden. Die große Nachfrage und die ungebrochene Begeisterung erbrachte aber eine Verlängerung bis Herbst 2014. Nun ist am  15. November 2014 endgültig Schluss.

"Ich brauche keine Sekunde nachzudenken, es war auf alle Fälle das richtige Konzept" resümiert Silke Mühl vom Organisationsteam der letztjährigen Jubiläumsveranstaltungen. Die 5 Führer Ernst Jessl, Reinhard Bergler, sowie Gerhard, Ilse und Holger Heinemann gaben unzählige, zeitweise mehrmals wöchentlich Führungen. Vereine und Gruppen aus dem Jossgrund, Bad Orb, Biebergemünd, Flörsbachtal und Umgebung kamen genauso wie Schulklassen oder Geschichtsvereine. Und natürlich die Lettgenbrunner selber, die zudem oft Bekannte und Verwandte aus ganz Deutschland einluden.

Auf den insgesamt 53 Fototafeln entlang der Strecke konnte man nicht nur Fotos bewundern, sondern die einzigartige Dorfkultur erfahren. Vertreibung, Krieg und die ständige Frage nach Heimat kreist immer wieder durch die verschiedenen Epochen in Lettgenbrunn und Villbach. Natürlich mit viel Leid und einer großen Portion Heimweh verbunden. Entweder weil der liebgewonnene Ort am Fuße des Beilsteins verlassen werden musste oder dass man in den Spessart kam, weil einem die Heimat genommen wurde. Auf den Tafeln sind viele Facetten und die damit verbundenen Besonderheiten beschrieben. Doch besonders eindringlich und nah wurden die Geschichten, wenn bei einer Führung an der jeweiligen Fototafel oft auch sehr persönliche Anekdoten der Führer erzählt wurden. Es geht aber nicht nur um Krieg und Vertreibung, sondern auch um die Geschichte des Spessarts, lustige Anekdoten aus dem Dorfleben.

Ilse Heinemann berichtet überaus zufrieden: "Unsere Geschichte zeigt wie Menschen immer wieder aufstehen können. Wie man sich mit Fleiß, Wille und Gemeinschaft wieder eine neue Heimat aufbauen kann. In wirklich jeder meiner Führung hatte ich das Gefühl, dass die Gruppe nachempfinden kann, was diesen Ort in seiner speziellen Identität ausmacht!" Besondere Erwähnung finden dabei die Gäste die selber bzw. deren Vorfahren nach 1945 in den ostdeutschen Gebieten ihre Heimat verloren hatten. Für viele war der Rundgang durch das durch Flüchtlinge und Heimatvertriebe 1947 neuaufgebaute Lettgenbrunn eine intensive Aufarbeitung des eigenen Leben und der eigenen Herkunft.

Viele Erinnerungen werden bleiben, denn bald ist der Fotowanderweg selbst Geschichte. Einige im Ort haben dafür gestimmt, den Fotowanderweg als dauerhafte Installation stehen zu lassen. Dies ist aber alleine aus der begrenzten Haltbarkeit der Schilder nicht machbar. Für Organisator Holger Heinemann ist ohnehin nicht das Ende entscheidend: "Wir schließen das Kapitel Historischer Fotowanderweg nun. Aber ganz sicher mit vollster Zufriedenheit. In den vergangenen Jahrzehnten konnten wir nicht so viele Gäste von außerhalb bei uns begrüßen, wie in den vergangenen Monaten. Wir konnten vielen Menschen ein paar interessante Stunden bereiten und haben nicht selten Emotionen wecken können. Ich bedauere nur, dass der Fotowanderweg 10 Jahre zu spät eingerichtet wurde. Viele der ersten und mittlerweile verstorbenen Siedler hätten diesen Weg sicherlich enorm gerne gesehen!"

Am Samstag, 15. November 2014, ist es nun soweit. Um 13.00 Uhr ist die letzte Führung mit anschließendem Ausklang im Wanderheim Lettgenbrunn. Diese Führung ist öffentlich und wie immer kostenlos! Bei schlechter Witterung wird empfohlen die Homepage www.700jahre.de zu besuchen, um ggf. von einer Absage zu erfahren. Wer den Weg alleine noch bis dahin gehen möchte, kann ab der Kirche in Lettgenbrunn seine Runde drehen.

Fakten

Länge:                        3,6 km, Rundwanderweg
Verlauf:                     Teils durch den Ort und Teils zur Aussichtspunkten oberhalb des Ortes
Start:                          An der Kirche Lettgenbrunn
Tafeln:                       53 Tafeln
Besondere Tafeln:      5 unveröffentlichte militärische Luftbildaufnahmen,
                                  11 unveröffentlichte Privataufnahmen, historische Karten aus dem
                                  16. Jahrhundert, Katasterplan von 1866, viele Fotos aus dem „alten
                                  Lettgenbrunn“ vor 1936, Hintergrundinformationen und unterhaltsame
                                  Anekdoten.
Eröffnung:                Sonntag, 14. April 2013
Präsentiert von:        VR Bank Bad Orb-Gelnhausen eG
Leitung:                    Holger Heinemann (0160/3678066, kontakt [at] 700jahre.de)
Führer:                      Reinhard Bergler, Ernst Jessl, Gerhard, Ilse und Holger Heinemann

Karten auch als GPS-Daten verfügbar. Scan-Code auf Schildern oder www.700jahre.de
Download der Karte zum Ausdrucken: www.700jahre.de/karte.pdf
Download der Information: www.700jahre.de/flyer.pdf
Alles zum Historischen Fotowanderweg unter www.700jahre.de
Alle Fotos unter www.700jahre.de/fotoweg